Streiff
stand fröstelnd auf den Holzplanken des Schanzengrabens. Der
Schanzengraben ist ein Fußweg, der direkt den Sihlkanal
entlangführt. Man steigt von der Gessnerbrücke ein paar
Stufen hinunter und findet sich auf einem idyllischen Spazierweg, links
das Wasser, rechts Bäume und Holzbänke, auf denen im Sommer
Leute lesen oder picknicken, den Vögeln Brosamen hinwerfen und wo
Liebespaare sich küssen. Ganz nahe beim lauten, hektischen
Stadtzentrum eine Oase, die aus der Stadt herausgefallen zu sein
scheint, ein fast verwunschener Ort. An einem frühen
Novembermorgen war der Ort keine Idylle. Es war noch dunkel. Streiff
beugte sich zu dem regungslosen dunklen Bündel Mensch hinunter.
Tot, kein Zweifel. Eine Frau. Kurze dunkle, leicht gewellte Haare, eher
klein, trug einen wadenlangen Rock und eine taillenlange Daunenjacke.
Ein früher Jogger hatte morgens um 5.30 Uhr die Leiche gefunden
und die Polizei angerufen. Der Notarzt hatte nur noch ihren Tod
feststellen können. Die beiden Polizeibeamten,
die hergefahren waren, hatten protokolliert, dass sie eine Stichwunde
im Rücken hatte. Also kein natürlicher Tod, kein Unfall, kein
Suizid. Und so stand jetzt gegen 6.30 Uhr Streiff da. Einige Stunden
vorher war er mit Valerie kaum 200 Meter entfernt an der Stelle
vorbeigegangen. Ob die Frau da schon tot gewesen war? Streiff drehte
den leblosen Körper, er wollte das Gesicht sehen. Sein Blick
wurde starr. Das war doch – ja, das war...
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